Sicherer Schlaf, statt nächtlicher Schicksalsschläge: Plötzlicher Kindstod

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Das Leben nicht mehr mit dem eigenen Kind fortsetzen zu dürfen, ist wohl die schmerzlichste aller Vorstellungen. Für manche Familien wird sie zur Realität. Als häufigste Todesursache im Säuglingsalter gilt der Plötzliche Kindstod (auch SIDS für Sudden Infant Death Syndrome).

Unerwartet und schrecklich
Besonders erschüttert, dass scheinbar völlig gesunde Babys aufhören zu atmen – einfach so im Schlaf, meist in den frühen Morgenstunden. Alarmsignale wie starkes Schwitzen, längere Atemaussetzer und bläuliche oder auffällig blasse Haut beobachten nur wenige Eltern, bevor sie der Schicksalsschlag trifft.
Obwohl viele Bereiche rund um dieses sensible Thema erforscht wurden, konnten Mediziner keine einheitliche Ursache identifizieren. Die Gründe für den unvorhersehbaren Tod reichen von Unterzuckerung über Herzrhythmusstörungen bis hin zum Ersticken. Vermutet wird auch, dass es eine Veranlagung für SIDS gibt. Demnach reagiert das körpereigene Alarmsystem aufgrund einer Störung bei Sauerstoffunterversorgung nicht. In der Folge erliegt der Atemreflex und die Kleinsten ersticken still. Laut der Kinder- & Jugendärzte im Netz müssen allerdings mehrere Faktoren aufeinandertreffen, ehe es zum schrecklichen Ereignis kommen kann.

Wen es trifft
Obwohl vorher niemand ahnen kann, ob das eigene kleine Wunder betroffen sein wird, zeigen Statistiken einige Häufungen auf. Tendenziell trifft SIDS eher Jungen als Mädchen nach der ersten Lebenswoche bis zum ersten Geburtstag. Im Alter von zwei bis vier Monaten ist das Risiko statistisch betrachtet am höchsten. Nach dem ersten halben Jahr nimmt es stetig ab und ist schon nach zehn Monaten sehr gering.
Ein erhöhtes Gefahrenpotenzial tragen Frühgeborene. Jedoch sind nicht nur sie anfällig für Infekte, die ebenfalls als auslösender Mechanismus gelten. Babys von Müttern, die in der Schwangerschaft Zigaretten oder sogar Drogen konsumierten, kommen mit einem gesteigerten SIDS-Risiko zur Welt. Leben Raucher mit dem kleinen Familienmitglied zusammen, kann das ein wichtiger Faktor sein, der den plötzlichen Säuglingstod begünstigt. Auf keinen Fall sollte in der Wohnung geraucht werden, auch nicht im Nebenzimmer.

Prävention bewirkt viel
Mit diesen Maßnahmen reduzieren Eltern aktiv das SIDS-Risiko:
- Die Bauchlage eignet sich nicht zum Schlafenlegen, selbst wenn Oma anderer Ansicht ist. Wichtig ist es, wache Babys immer wieder auf den Bauch zu drehen, damit sie Motorik und Muskulatur trainieren können.
- Zu warm sollte weder die Zimmertemperatur noch Babys Schlafwäsche sein. Eltern beobachten, ob ihr Liebling zu warm eingepackt ist beispielsweise durch einen Fühltest im Nacken.
- Plüschtiere, Kissen, Decken, Lammfelle und weitere gut gemeinte Bettzugaben haben in Babys Schlafstätte nichts verloren. Sie bringen Winzlinge in Gefahrenlagen, aus denen sie sich nicht befreien können. Auch Nestchen und Betthimmel stellen regelrechte Fallen dar, wenn sie zu lang sind, die Luftzirkulation stören oder nicht gut genug befestigt sind. Sicher und gemütlich schlafen Babys im eigenen Schlafsack, passend zur Jahreszeit und Körpergröße.
- Die Babymatratze sollte nicht zu weich, aber glatt und luftdurchlässig sein.
- Stillen gilt als positiver Faktor, um die Gefahr zu reduzieren. Ebenfalls wirkt sich die Nähe zu den Eltern günstig auf Herzschlag und Atmung während des Schlafes aus.
Die umfangreichen Informationsmaßnahmen der vergangenen Jahre trugen dazu bei, dass im Jahr 2011 weniger als 150 Säuglinge in Deutschland am Plötzlichen Kindstod starben (Angabe des BVKJ) – sehr viel weniger als noch zehn Jahre zuvor.